Ostfriesische Gerichte: Grünkohl, Snirtjebraten und Updrögt Bohnen – so schmeckt Ostfriesland
Wer an Ostfriesland denkt, denkt an Tee. Zu Recht. Aber wer einmal im Winter an einem ostfriesischen Küchentisch gesessen hat, weiß: Hier wird auch ordentlich gegessen. Deftig, ehrlich, ohne Schnickschnack. Gerichte, die nach langen Abenden riechen, nach Ofenwärme und nach Familie, die zusammenrückt, wenn draußen der Wind ums Haus pfeift.
In diesem Beitrag nehme ich dich mit in die ostfriesische Küche: woher sie kommt, was auf den Feldern zwischen Deich und Moor wächst und welche Klassiker bis heute auf den Tisch kommen. Sechs meiner Lieblingsrezepte kannst du dir am Ende kostenlos herunterladen. Und natürlich verrate ich dir, was das alles mit Jantje Janßen und einer Kochshow in Emden zu tun hat.
Eine Küche aus Marsch, Moor und Meer
Die ostfriesische Küche ist eine Küche der Bauern, Fischer und Torfstecher. Wer früher den ganzen Tag auf dem Feld, im Moor oder auf dem Kutter verbrachte, brauchte am Abend etwas Warmes im Bauch. Also kam auf den Tisch, was Hof, Garten und Stall hergaben: Kohl, Bohnen, Kartoffeln, Speck, Wurst und Fisch.
Dazu kam das Wetter. Die Sommer sind kurz, die Winter lang und feucht. Deshalb haben die Ostfriesen schon immer viel haltbar gemacht: Fleisch wurde gepökelt und geräuchert, Bohnen getrocknet, Kohl eingemacht. Vieles, was heute als typisch ostfriesisch gilt, ist im Grunde kluge Vorratshaltung, die über Generationen richtig gut geschmeckt hat.
Und dann ist da noch der Blick übers Wasser. Über den Emder Hafen kamen seit dem 16. Jahrhundert Waren und Menschen aus den Niederlanden ins Land. Mit dem Handel kam im 17. Jahrhundert auch der Tee, der aus Ostfriesland bis heute nicht mehr wegzudenken ist. Mehr dazu liest du in meinem Beitrag zur ostfriesischen Teezeremonie.
Landwirtschaft in Ostfriesland: zwischen Deich und Geest
Wer durch Ostfriesland fährt, sieht vor allem eins: Weite. Grüne Wiesen bis zum Horizont, schwarzbunte Kühe, Gräben, Windräder und ab und zu ein mächtiger Gulfhof, unter dessen riesigem Dach früher Familie, Vieh und Ernte Platz fanden. Die Landwirtschaft hat diese Region geprägt wie kaum etwas anderes.
- Die Marsch: An der Küste, etwa in der Krummhörn oder im Rheiderland, liegt schwerer, fruchtbarer Kleiboden. Er ist über Jahrhunderte dem Meer abgerungen worden. Hier standen die reichen Höfe, hier wuchsen Getreide, Bohnen und Raps, und hier grasen bis heute die Milchkühe.
- Die Geest: Weiter im Landesinneren ist der Boden sandig und karger. Angebaut wurden vor allem Roggen, Hafer und Kartoffeln.
- Das Moor und die Fehne: Ab dem 17. Jahrhundert legten Siedler in den Mooren Kanäle an, stachen Torf und machten das Land Stück für Stück urbar. Das Leben in den Fehnkolonien war hart, die Küche entsprechend einfach. Buchweizen, Kartoffeln und Grütze waren oft das, was auf den Teller kam.
Ohne Deiche und Entwässerung gäbe es diese Landschaft nicht. Teile Ostfrieslands liegen unter dem Meeresspiegel, und Siele und Schöpfwerke sorgen bis heute dafür, dass die Felder trocken bleiben. Heute ist Ostfriesland vor allem Grünland und eine der wichtigen Milchregionen Deutschlands. Auf vielen Höfen findest du Hofläden mit Milch, Käse, Fleisch und Wurst aus der Region – und im Winter natürlich frischen Grünkohl.
Die Klassiker der ostfriesischen Küche
Grünkohl mit Pinkel. Der König der ostfriesischen Winterküche. Geerntet wird traditionell erst nach dem ersten Frost, dann schmeckt der Kohl milder. Er schmort stundenlang mit Speck, Kasseler und Zwiebeln, und obenauf liegt die Pinkel: eine geräucherte Grützwurst aus Hafergrütze, Speck und Zwiebeln. Dazu gibt es Salzkartoffeln und einen ordentlichen Senf. Zum Grünkohl gehört in Ostfriesland die Kohlfahrt: Mit Bollerwagen, Boßelkugel und warmen Getränken zieht man über Land, bevor im Gasthof gemeinsam gegessen wird. Wer am meisten verdrückt, wird oft zum Kohlkönig gekrönt.
Snirtjebraten. Ein echtes Stück Heimat. Für den Snirtjebraten wird Schweinefleisch, meist Nacken oder Bauch, in Würfel geschnitten und mit vielen Zwiebeln kräftig angebraten, bis es in der Pfanne brutzelt und zischt. Genau daher kommt auch der Name: „snirten“ heißt auf Platt so viel wie brutzeln. Früher kam der Snirtjebraten zur Schlachtzeit im Herbst und Winter auf den Tisch, wenn es frisches Fleisch gab. Dazu gehören Salzkartoffeln und Rotkohl oder Apfelmus.
Updrögt Bohnen. „Updrögt“ ist Platt und bedeutet getrocknet. Im Spätsommer wurden grüne Bohnen auf lange Fäden gezogen und zum Trocknen aufgehängt, in der Küche, auf dem Dachboden oder im Wind. So hatte man im Winter Gemüse im Haus. Die Bohnen werden über Nacht eingeweicht und dann mit Kartoffeln, Speck und Mettwurst zu einem kräftigen Eintopf gekocht. Ihr leicht rauchiger, intensiver Geschmack ist mit frischen Bohnen nicht zu vergleichen.
Und das ist längst nicht alles. Auf ostfriesischen Tischen findest du außerdem:
- Matjes und Krabben: Emden war lange eine Heringsstadt, und die Krabbenkutter aus Greetsiel und Ditzum bringen bis heute „Granat“ an Land.
- Pannfisch: gebratener Fisch mit Bratkartoffeln und Senfsoße, früher die Resteverwertung der Fischerfamilien.
- Mehlbüdel: ein im Tuch gegarter Mehlkloß, oft mit Rosinen und Kirschsoße.
- Ostfriesentorte: Sahnetorte, je nach Familienrezept mit Sauerkirschen oder in Weinbrand eingelegten Rosinen, ideal zur Teetied.
- Speckendicken und Neujahrskuchen: Gebäck rund um den Jahreswechsel, das in vielen Familien bis heute Tradition hat.
Kochshow in Emden: Ostfriesische Küche in „Mord zwischen Matjes und Mistelzweig“
Beim Schreiben meines dritten Ostfrieslandkrimis war die ostfriesische Küche mehr als nur Kulisse. In „Mord zwischen Matjes und Mistelzweig“ ist eine beliebte TV-Kochshow in der Vorweihnachtszeit zu Gast in Emden. Kameras, Scheinwerfer, ehrgeizige Kandidatinnen – und dann bricht eine von ihnen tot zusammen. Gift im Kaffee.
Jantje Janßen springt kurzerhand als Köchin undercover ein, obwohl ihr Talent am Herd eher überschaubar ist. Zwischen knusprigen Grünkohl-Chips und zartem Matjes sucht sie nach der Person, die die tödliche Prise untergerührt hat. Hund Fiete hat dabei vor allem eins im Sinn: die Düfte aus der Showküche. Wer den Krimi liest, bekommt garantiert Appetit. Auf Grünkohl, auf Matjes und auf mehr von Jantje.
Der dritte Fall für Jantje Janßen: ein weihnachtlicher Ostfrieslandkrimi rund um eine TV-Kochshow in Emden. Paperback 12,99 €, E-Book 6,99 €.
Literarisches Dinner im Landhaus Großes Meer
Krimi und gutes Essen gehören für mich einfach zusammen. Deshalb veranstalte ich gemeinsam mit dem Landhaus Großes Meer in Südbrookmerland literarische Dinner. Zwei Emder Autorinnen, zwei Geschichten: Ich lese aus „Mord zwischen Matjes und Mistelzweig“, meine Kollegin Ilka Gerdes aus „Die Müllers und das Inselzebra“. Und weil es kaum etwas Passenderes gibt, serviert das Landhaus dazu Snirtjebraten, das typisch ostfriesische Tellergericht.
- Termine: Donnerstag, 26. November 2026 und Donnerstag, 4. Februar 2027, jeweils 18:30 bis 21:00 Uhr
- Ort: Hotel Restaurant Landhaus Großes Meer, Am Meer 1, 26624 Südbrookmerland
- Preis: 24,95 Euro, das Essen ist im Preis enthalten
- Reservierung: Telefon 04942 627 oder per E-Mail an info@hlgm.de
Alle weiteren Lesungen und Termine findest du in meinem Veranstaltungskalender.
Rezepte zum Download: Ostfriesische Küche für zu Hause
Du möchtest Ostfriesland nachkochen? Hier findest du sechs Rezepte als Rezeptkarte zum Herunterladen und Ausdrucken: drei deftige Klassiker, einen Snack aus der Kochshow im Krimi, einen Fischklassiker von der Küste und eine Torte zur Teetied.
Der Winterklassiker, langsam geschmort mit Speck, Kasseler und Pinkelwurst.
Zum Rezept PDF herunterladen
Brutzelnde Schweinefleischwürfel mit Zwiebeln, wie beim literarischen Dinner.
Zum Rezept PDF herunterladen
Der knusprige Snack aus der TV-Kochshow in „Mord zwischen Matjes und Mistelzweig“.
Zum Rezept PDF herunterladen
Gebratener Fisch auf Bratkartoffeln, das Resteessen der Fischerfamilien.
Zum Rezept PDF herunterladenNoch mehr Rezepte, von Halloween bis Weihnachtspunsch, findest du in meiner Rezeptsammlung.
Ostfriesische Küche erleben: Meine Tipps
- Komm im Winter. Von November bis Februar haben Grünkohl und Snirtjebraten Saison, und viele Gasthöfe bieten Kohlfahrten an.
- Schau in die Hofläden. Frische Milch, Käse und Wurst direkt vom Hof schmecken nach Ostfriesland.
- Probier Matjes direkt am Hafen, zum Beispiel in Emden, Greetsiel oder Ditzum.
- Und zum Nachtisch? Natürlich Teetied, mit Kluntje, Wulkje und einem Stück Ostfriesentorte.
FAQ: Ostfriesische Gerichte
Was isst man typischerweise in Ostfriesland?
Typisch sind deftige, saisonale Gerichte wie Grünkohl mit Pinkel, Snirtjebraten und Updrögt Bohnen. Dazu kommen Fisch wie Matjes, Krabben und Pannfisch sowie Süßes wie Ostfriesentorte und Mehlbüdel.
Was ist Pinkel?
Pinkel ist eine geräucherte Grützwurst aus Hafergrütze, Speck, Zwiebeln und Gewürzen. Sie wird im Grünkohl gar gezogen und gehört in Ostfriesland und im Oldenburger Land einfach dazu.
Was bedeutet Snirtjebraten?
Der Name kommt vom plattdeutschen „snirten“, also brutzeln. Snirtjebraten ist in Würfel geschnittenes Schweinefleisch, das mit Zwiebeln kräftig angebraten und dann geschmort wird.
Was sind Updrögt Bohnen?
Updrögt Bohnen sind getrocknete grüne Bohnen. Früher wurden sie auf Fäden gezogen und aufgehängt, um im Winter Gemüse zu haben. Heute bekommst du sie oft in Hofläden oder auf Wochenmärkten in Ostfriesland.
Wann ist Grünkohlzeit in Ostfriesland?
Traditionell beginnt die Grünkohlsaison nach dem ersten Frost im November und dauert bis etwa Februar. In dieser Zeit finden auch die beliebten Kohlfahrten statt.
Ostfriesland geht durch den Magen
Die ostfriesische Küche ist wie die Menschen hier: bodenständig, herzlich und mit einem kleinen Augenzwinkern. Sie erzählt von harter Arbeit auf dem Feld und im Moor, von langen Wintern und von Tischen, an denen immer noch ein Platz frei ist. Koch dir einen Topf Grünkohl, setz Tee auf und nimm dir ein Kapitel aus „Mord zwischen Matjes und Mistelzweig“ vor. Oder komm vorbei und genieß Snirtjebraten und Krimi beim literarischen Dinner im Landhaus Großes Meer. Lust auf mehr Ostfriesland? Lies weiter in Ostfriesland verstehen oder entdecke Emden, die wohl schönste Stadt Ostfrieslands.

